Zu sagen mit dem Smartphone kann man keine schönen Bilder machen ist genauso falsch, wie zu sagen: Die Technik ist völlig egal, nur der Fotograf dahinter ist wichtig! Die Technik ist ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger.

Wichtig ist, die Stärken und Schwächen des jeweiligen Werkzeuges zu kennen. Mit einem Hammer wirst du ja auch nicht zu Sägen anfangen. Deshalb wird ein Sportfotograf im Fußballstadion die Spieler natürlich mit einer großen Kamera fotografieren. Dafür hat das Smartphone andere Felder, in denen es sehr gut einsetzbar ist.

Stärken und Schwächen kennenlernen

Die Vorteile des Smartphones

  • Du hast es ~immer dabei.
  • Nachbearbeitung geht auf dem Smartphone schnell und intuitiv, du brauchst keinen Monster-PC dafür, da die Telefonleistung meistens völlig ausreicht.
  • Fotografieren im RAW Format ist inzwischen möglich!
  • Stativ ist heutzutage auch für Smartphones kein Problem mehr. Ach was soll’s, sogar der Selfie-Stick kann eine gute Sache sein, vor allem für Gruppenbilder.
  • Hohe Bildrate und Prozessgeschwindigkeit für Serienaufnahmen.
  • Die interne Software kann sehr gut sein, das geht von Gesichtserkennung über das automatische (und sehr gute!) Verarbeiten von Panoramen bis hin zu Timelapse oder Slowmotion Funktionalität.
  • Zoomen ist inzwischen auch möglich geworden durch Dual-Kamera-Systeme (ein Objektiv für den Weitwinkel-, eines für den Telebereich). Durch ein Weitwinkelobjektiv als Hauptkamera hast du einen sehr weiten Aufnahmebereich.
  • Durch die geringe Naheinstellungsgrenze kannst du auch im Makrobereich gute Ergebnisse erzielen.
  • Wartungsaufwand quasi Null, außer Aufladen. Keine Sensorreinigung, kein Objektivwechsel, so gut wie keine mechanischen Defekte möglich.
  • Mit einer guten Hülle sehr robust, vor allem bei Stürzen.
  • Manche Telefone sind sogar von Haus aus wasserdicht! Die meisten DSLRs sind leider nur Spritzwasserfest.
  • Im Vergleich zur DSLR ein relativ günstiges Kamerasystem.
  • Die Entwicklung schreitet in wesentlich schnelleren Zyklen voran als bei Spiegelreflexkameras.

Hand aufs Herz: Was wäre an diesem Bild anders, wenn es mit einer Spiegelreflex aufgenommen worden wäre?

  • Ich hätte noch andere Brennweiten zur Verfügung gehabt.
  • Der Kontrastumfang (minimal) und die Bildqualität wären größer.

Also kommt es hier ganz klar auf den Verwendungszweck an: Soll das Bild in ein Hochglanzmagazin rein oder irgendwo groß an der Wand hängen? Dann lieber ohne Telefon. Für alle anderen Fälle reicht bei solchen Bildern locker dein Smartphone.

Die Vorteile einer DSLR

  • Große Objektivauswahl für jeden Zweck
  • Bildqualität wird durch größere Bildsensoren und durch die Qualität der Objektive noch länger unerreicht bleiben. Auch das Rauschverhalten bei wenig Licht ist hier wesentlich besser.
  • Durch Sensorabstand und Blende lässt sich schönes Bokeh zaubern, was sie zu einer Porträtmaschine macht, die jedes Smartphone in den Schatten stellen sollte.
  • Durch Dual-Slots bei den Speicherkarten steigt die Zuverlässigkeit, da du bei wichtigen Events die Fotos synchron speichern lassen kannst.
  • Das Erweitern deines Equipments ist leicht und es gibt unzählige Kandidaten dafür: Stative, motorgesteuerte Nachführungen, Dollys, Intervall-Fernbedienungen, u.v.m.
  • Akku innerhalb von Sekunden wechselbar! Über einen Kameragriff können auch mehrere Akkus ohne Wechsel im Betrieb sein. Ideal für Zeitraffer-Aufnahmen über mehrere Stunden. Natürlich gibt es auch Smartphones, die einen Akkuwechsel unterstützen. Ich schaue nicht zu dir, Apple.
  • Durch Speicherkarten ist wesentlich mehr Platz für Fotos. Natürlich gibt es auch Smartphones, die Speicherkarten unterstützen. Ich schaue wieder nicht zu dir, Apple. >:(

Für hohe Auflösung, Pixelzähler und Bokehliebhaber immer noch die erste Wahl: Bilder aus der digitalen Spiegelreflexkamera.

Ausschlusskriterien

Es gibt Szenarien, in denen das Smartphone einfach keine Chance hat:

  • Bei schwachen Lichtverhältnissen wird es rauschen und die Bildqualität sinkt rapide.
  • Du hast kein Teleobjektiv dran. Sportevents und Mitzieher von Rennwagen sind schwer bis unmöglich zu fotografieren. Überhaupt, alles was weit weg ist.
  • Egal wie teuer das Smartphone ist, der Sensor ist trotzdem relativ klein. Das heißt die Auflösung der Bilder wird nicht genügen um Bilder, die sehr groß werden soll in perfekter Qualität drucken zu können. Für Instagram, Facebook und Wandbilder bis A4 sollte es aber ganz gut reichen.

Akzeptiere, dass du keine Allroundkamera hast und suche dir passende Motive.

Man muss auch mal Glück haben: Bei Dunkelheit und frei aus der Hand kann sich das Ergebnis dennoch sehen lassen, solange du es dir nicht in voller Größe ansiehst (Bild anklicken für volle Größe).

Wenn du schon eine Zeit lang fotografierst, wirst du das meiste von dieser Liste bestimmt auch schon selbst festgestellt haben. Doch wie fängt man an sich zu verbessern?

Worauf du beim Fotografieren achten solltest

Techniken für die Bildaufteilung anwenden

Dieser Punkt gilt ganz allgemein für das Fotografieren – egal ob du mit Smartphone, Digitalkamera oder digitaler Spiegelreflexkamera unterwegs bist. Mit diesen Techniken wirst du, unabhängig vom benutzten Werkzeug, bessere Bilder machen.

Reduktion auf das Wesentliche ist immer eine gute Idee:

Fotografiere nicht immer alles auf einmal, sondern such dir den Bildausschnitt, der die Bildaussage unterstützt.

  • Drittel-Regel

    Teile dein Bild in drei Teile auf und platziere das Hauptmotiv an einen der Schnittpunkte, um dein Hauptmotiv besser zur Geltung zu bringen.

  • Goldener Schnitt

    Ähnlich wie bei der Drittel Regel kannst du das Hauptmotiv auch im Goldenen Schnitt platzieren. Wenn du ein harmonisches Motiv hast, bietet sich auch die Platzierung in der Fibonacci Spirale an.

  • Vordergrund einbinden

    Für mehr Kontext kannst du – was auch immer sich im Vordergrund befindet – mit einbinden.

  • Natürliche Rahmen

    Ähnlich wie beim Vordergrund einbinden, nur rahmst du das Hauptmotiv mit dem Vordergrund komplett ein.

  • Leitlinien

    Leitlinien führen das Auge des Betrachters zum Hauptmotiv. Dabei musst du mit dem arbeiten, was die Szene gerade bietet.

  • Symmetrie und gewollte Asymmetrie

    Für was auch immer du dich hier entscheidest, das Bild muss entsprechend balanciert werden, damit es keinen Überhang in einem Bildteil hat.

  • Weißraum

    Bildteile, die wenig Bildinformationen enthalten, sind der Weißraum oder auch negativer Raum. Mit ihm hat das Motiv „Luft zum Atmen“ und kommt besser zur Geltung.

Die richtige Haltung entwickeln

Ich beobachte viele Menschen, die im Stehen und auch noch im Hochformat fotografieren. Hast du zu Hause einen Hochkantmonitor oder willst das Bild wirklich im Hochformat ausdrucken? Nein? Dann fotografier bitte im Querformat!

Nimm deine Beine als Zoom, denn dein Smartphone hat keinen optischen Zoom (außer bei Dualkameras). Und wo wir schon bei Beinen sind: Die meisten Motive kommen besser, wenn du dabei „auf Augenhöhe“ mit dem Motiv gehst, vor allem in Kombination mit dem Weitwinkel-Objektiv deines Smartphones.

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Was wie eine Zurückentwicklung von Mensch zu Affe aussieht ist in Wirklichkeit eine Weiterentwicklung: Weg von der Schonhaltung, Querformat statt Hochformat und auf Augenhöhe mit dem Motiv.

Es ist wichtig, dass du dein Smartphone ruhig hältst. Mach es dir zur Gewohnheit, mit beiden Händen zu fotografieren. Den Auslöser kannst du dann entweder mit deinem Daumen auf dem Display, oder mechanisch mit dem Zeigefinger drücken (Lautstärkeregler des Smartphones ist meistens auch Auslöseknopf für die Kamera).

Bei Landschaftsbildern sollte der Horizont (fast) immer gerade sein. Das Einblenden der digitalen Wasserwaage in der Lightroom App (später mehr dazu) hilft dir dabei. Sobald sich Linie sich von weiß auf gelb färbt, hältst du dein Telefon gerade.

Die Daten für die digitale Wasserwaage kommen aus dem eingebauten Neigungssensor deines Smartphones.

Anstatt Motive von weit weg zu fotografieren (was natürlich bei jedem von uns die erste Intention ist) überleg dir folgendes: Du hast ein kleines und leichtes Gerät bei dir, das gute Bilder machen kann. Also wirf dich selbst einfach in Perspektiven, die mal was anderes sind. Von weit unten oder steil oben fotografiert sehen manche Sachen noch mal interessanter aus.

Den Eifelturm von weiter weg haben schon andere fotografiert – und sich vermutlich viel Gedanken über Bildkomposition und Licht gemacht. Alternativ kannst du auch Gebäude richtig nah fotografieren. Vielleicht findest du eine interessante Perspektive.

Interessant wird es, wenn…

  • … man nicht instant erkennt, worum es sich auf dem Bild handelt. Du fängst an, nach Hinweisen zu suchen. Findet man allerdings keine Hinweise und bleibt länger im Unklaren, worum es sich hierbei handelt, legt man das Bild gedanklich in den Mülleimer.

  • … die Perspektive ungewohnt ist. Wenn du einen Busch aus 2 Meter Entfernung fotografierst, wird der Betrachter schnell einordnen können, worum es sich handelt. Steckst du deine Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv dran in das Gestrüpp, dann wirst du auf jeden Fall ungewohnte Perspektiven finden.

  • … dich etwas irritiert. Was man schon oft gesehen hat, schaut man sich weniger konzentriert an, bzw. ordnet es gedanklich in Schubladen ein. Welche Farbe hat eine Tomate? Rot, klar. Eine blaue Tomate siehst du dir garantiert länger an als eine rote, da die Farbe zunächst irritierend wirkt.

Weitwinkel nutzen

Die Primärkamera ist immer ein Weitwinkel, das heißt du hast eine geringe Brennweite zur Verfügung und kannst viel Raum auf einmal aufnehmen.

Die Smartphone-Weitwinkelobjektive haben ungefähr 30 mm Brennweite. Ein Objektiv in dem Bereich für eine Spiegelreflex kostet zwischen 200 und 300 Euro. Jeder Millimeter weniger sorgt für eine rapide Preissteigerung (je nach Qualität).

Natürlich soll das hier kein Smartphone vs. DSLR Vergleich werden, das ergibt keinen Sinn. Aber stell dir vor du bist nur mit einem Objektiv unterwegs und das ist gerade kein Weitwinkel. Dann hast du mit dem Smartphone trotzdem eines dabei, was zwar nicht eine perfekte Bildqualität liefert, aber immerhin einen anderen Brennweitenbereich abdeckt. Ich finde das praktisch!

Da du mit dem Telefon nicht zoomen kannst (Dual-Kamera-Systeme mal ausgenommen), ist das auch eine ganz gute Übung um den fotografischen Blick zu trainieren. Du konzentrierst dich auf das Wesentliche, da du dich nicht mit Zoomen und Brennweite beschäftigen kannst.

Fotografieren im Makro Bereich

Grundsätzlich eignen sich Smartphones sehr gut für kleine Objekte, bei denen man dicht ran möchte. Jedes Objektiv hat ein Limit, wie dicht etwas vor der Linse sein darf, damit es noch scharf abgebildet werden kann – das ist Naheinstellungsgrenze. Bei Smartphones ist diese im Bereich ca. sieben Zentimeter, was ein sehr guter Wert ist.

Mit dem Smartphone kannst du sehr dicht an kleine Objekte ran. In diesem Fall habe ich die Blendenlamellen eines meiner Objektive fotografiert.

Wassertropfen für Super-Makros

Ein Wassertropfen auf der Linse Wenn du einen Wassertropfen auf die Linse träufelst, dann kommst du mit der Naheinstellungsgrenze in den Millimeterbereich! Dafür ist der Schärfebereich auch nur relativ klein, aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

  • Ein Tropfen reicht, er sollte aber die Linse möglichst vollständig bedecken. Das Auftragen kannst du mit der Fingerkuppe machen.
  • Die Oberflächenspannung sollte den Tropfen halten, auch wenn du dein Telefon kippst, sollte der Tropfen nicht weglaufen.
  • Falls der Tropfen nicht vor Ort bleiben will, versuche die Linse ein bisschen mit dem Finger zu reiben, ein paar Fettrückstände sind durchaus hilfreich, damit der Tropfen nicht wegläuft. Schon möglich, dass du ein paar Anläufe benötigst, um einen stabilen Tropfen zu bekommen.
  • Nach ca. 15-20 Minuten (bei Zimmertemperatur) wird der Tropfen verdunstet sein, also richte vorher dein Motiv und Licht ggf. so aus, wie du es brauchst oder du musst wieder einen neuen aufbringen.

Schau dir mal folgendes Beispiel mit der Streichholzschachtel an: Das Bild links ist am Limit der Naheinstellungsgrenze. Du siehst, wie die vordere Kante der Schachtel leicht unscharf wird. Näher heran ging nicht. Mit einem Tropfen auf der Linse komme ich wenige Millimeter ran und kann extreme Detailaufnahmen machen.

Natürlich ist die Bildqualität nicht atemberaubend, aber ich denke mit Geduld und gutem Licht lassen sich schon ganz nette Ergebnisse erreichen. Zum Erkunden der Makrowelt reicht es auf jeden Fall! Wenn dir diese Welt gefällt, ist das Projekt vielleicht ein Anreiz sich eine große Kamera und ein richtiges Makroobjektiv zu kaufen, wer weiß?

Fisheye Objektiv

Blende im Objektiv Bei Media Markt habe ich mir mal ein Fisheye Objektiv aufgesteckt. Schon eine coole Sache, da man riesigen Bildwinkel bekommt. Die Perspektive hat ein bisschen was von Skatervideos aus den 90ern.

Ich würde auf jeden Fall mit einer Software die gekrümmten Linien entzerren, ein paar Beispiele findest du auf der Website ultraweit verwinkelt

Durch das zusätzliche Glas und die Wölbung wird auf jeden Fall die Qualität zum Bildrand hin abfallen. Dafür kostet die Smartphone-Variante der Linse zum Aufstecken wesentlich weniger als ein Fisheye-Objektiv für die Spiegelreflexkamera! :)

Selfies und Porträts

Licht

  • Vermeide direktes Sonnenlicht von oben, da durch die Augenhöhlen Schatten auf die Augen selbst fallen, das sieht nicht vorteilhaft aus.
  • Wenn du draußen bist, ist es ideal wenn du dich oder die Person, die du fotografieren möchtest, im Schatten befindet – aber in der Nähe von Boden, der direkt durch die Sonne erleuchtet wird. Das reflektierende Licht sorgt dann für weiche Gesichtszüge.
  • Den Blitz bitte nur verwenden, wenn du Gegenlichtbilder machst und mit ihm das Gesicht aufhellst. Ansonsten den Blitz lieber nicht verwenden, da er die Haut speckig und unnatürlich aussehen lässt.
  • Mehr zum Thema: Bessere Bilder durch Gestaltung mit Licht

Unscharfe Hintergründe – Bokeh

Viele Smartphones und Tablets verfügen inzwischen in irgendeiner Form über einen Porträtmodus. Dabei wird mit der Weitwinkel- und dem Teleobjektiv jeweils ein Bild gemacht und zusammen überblendet. Dadurch bleibt das Gesicht scharf, der Hintergrund verschwimmt. Porträts sehen dadurch viel schöner aus, keine Frage.

Dieser Effekt ist (soweit ich mich bisher umgeschaut habe) rein digital erzeugt. Mit einer Spiegelreflex ist das kein Effekt, sondern wird durch das Zusammenspiel von Optik und Sensor erzeugt.

Sieht eigentlich ganz gut aus oder? (1) Hier ist der Bereich scharf, so wie es sein soll. Wenn man sich dann die Haare auf dem Kopf anschaut wird es etwas seltsam. Die Haare bei (2) sind scharf und dann setzt schnell die Unschärfe ein (3), obwohl es ungefähr auf der gleichen Tiefenebene liegt, nur ein paar Zentimeter weiter hinten. Noch seltsamer ist der Effekt bei (4) zu sehen. Das Haar dort sollte eigentlich fast durchgängig dieselbe Schärfeintensität haben, hat aber einen Unschärfeverlauf.

Das Problem: Es ist nicht perfekt. Und das Bildbeispiel kommt von Apple selbst, muss also eines der Besten sein, dass sie auf Lager hatten!
Die Unschärfe wird halt nur künstlich erzeugt. Wo genau – das versucht ein Kantensuch-Algorithmus festzustellen. Das klappt auch relativ okay-ish, wenn man nicht zu genau hinschaut.

Nicht missverstehen: Auch bei DSLRs kann es sein, dass die Augen knackscharf sind, aber die hinteren Haarpartien fangen an unscharf zu werden. Das hängt von der verwendeten Blende und Größenproportion ab. Aber es sieht immer noch natürlich und sauber aus. Was der Porträtmodus macht, ist eher eine Art Tilt-Shift Effekt – ganz nett, aber qualitativ noch lange nicht im Profibereich. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Smartphone Entwicklung auch in diesem Bereich mit jeder Generation besser wird.

Der Modus hübscht Porträts auf und es lohnt sich ihn zu verwenden, wenn man kein anderes Equipment dabei hat. Fake oder nicht, Bokeh ist bei Porträts durchaus vorteilhaft.

Du brauchst für diesen Effekt übrigens nicht das neueste Smartphone. In den Appstores tummeln sich Dutzende von Apps, die diesen Effekt auch erzeugen können (vermutlich etwas weniger präzise ohne verfügbare Dual-Kamera am Telefon). Auch am PC kannst du auf der Basis vom Befehl Objektivunschärfe und mehreren Ebenenmasken hinterher Bokeh erzeugen, je nach investierten Zeitaufwand und Wissen in dem Bereich, fast so gut wie das Original.

Das Problem mit der Brennweite

Leute, die mit Selfie Sticks herumlaufen sehen dämlich aus, da bin ich ganz bei dir. Aber sie tun genau das, was notwendig ist:
Durch das Weitwinkelobjektiv sind die Gesichtsproportionen bei einem Selfie, dass du direkt mit dem Smartphone vor deinem Gesicht machst, etwas arg. Deine Nase sieht größer aus, als sie in Wirklichkeit ist und auch sonst stimmt es nicht so ganz. Der Selfie-Stick bringt etwas Distanz zwischen dein Gesicht und das Smartphone, das Problem der verzerrten Proportionen wird etwas entschärft.

An dem Grundproblem, der Brennweite, ändert das natürlich nichts. Mehr kannst du hier unter die richtige Brennweite für Gesichter nachlesen.

Panorama

Wenn ich bei einem Motiv überlege, ob ich ein Panorama mit der großen Kamera zu machen soll, dann hole ich erst mal mein Smartphone raus. Falls das dort schon ganz gut aussieht, pack ich die große Kamera aus, nehme mir dann die Zeit und mach es noch mal. Sieht das Bild schon auf dem Smartphone nicht so prickelnd aus, lasse ich die große Kamera stecken und freue mich darüber, dass mir das „Preview“ auf dem Smartphone Zeit gespart hat.

Wenn du Panoramen mit einer Spiegelreflex machen willst, musst du später die Einzelbilder am PC mit einer Stitching-Software zusammenfügen lassen. Moderne DSLRs können diesen Prozess mittlerweile aber auch automatisch machen. Klar, mit einer großen Kamera hast du die bessere Qualität, aber auf der anderen Seite steht der Zeitfaktor: Kamera herausholen, Stativ aufbauen, korrekt verschwenken, auf die Belichtung aufpassen …

Ein Panorama mit dem Smartphone ist einfach: Du wählst den entsprechenden Modus, drehst das Telefon auf der Stelle, fertig. Die Einzelbilder werden zu einem einzigen großen Bild, dem Panorama, zusammengestückelt. Diesen Vorgang nennt man Stitching – und das macht das Smartphone vollautomatisch und meist in guter Qualität.

Dauert fünf Sekunden und benötigt keine Vorkenntnisse: Panorama aus dem Smartphone.

Der einzige Vorteil, wenn ich hier mit einer Spiegelreflex fotografiert hätte? Ich könnte wesentlich mehr Pixel zählen, als so schon, ja. Es kommt halt auf den Verwendungszweck an: Für meine private Erinnerung oder Full-HD auf dem Monitor reicht die Auflösung aus dem Telefon völlig. Für ein Wandposter in A0 wäre die DSLR auf jeden Fall die bessere Wahl gewesen.

Stitching-Fehler

Mit dem Panorama Modus des Smartphones spart man sich einige Schritte und es ist quasi idiotensicher. Dafür kann man hinterher Stitching-Fehler schwer bis gar nicht korrigieren (z. B. wenn sich etwas während der Aufnahme durch das Panorama bewegt). Falls du dir diese Option offenlassen möchtest, musst du auch mit dem Telefon Einzelbilder machen und diese dann hinterher zusammensetzen.

Typischer Stitching Fehler, wenn die Kamera zwar still steht sich aber, während der Aufnahme, etwas durch das Bild bewegt: Das Auto links wird von der Software zusammengeschoben. Das Panorama halb-manuell aus Einzelbilder zusammensetzen hätte dieses Problem lösen können. Vorteil: Du kannst dir dann aussuchen in welchem Bildteil sich das Auto befindet.

Stitching-Fehler im vorderen Bildbereich, da sich die Kamera (auf dem Zug) während der Belichtung bewegt hat. Hier hätte es keinen Unterschied gemacht, ob Smartphone oder DSLR. Korrekte Panoramen in solchen Situationen sind quasi unmöglich, solange sich die Kamera in einer Richtung durch den Raum mit bewegt.

Dass dieses Problem nur den Vordergrund betrifft hängt mit der Bewegungsparallaxe zusammen: Weit entfernte Objekte bewegen sich, relativ zur Kamera gesehen, weniger schnell durch die Aufnahme – für die Software ist ein fehlerfreies Stitchen somit eher möglich.

Live Fotos und Serienbilder

Als ich den Artikel hier angefangen habe, war mir schnell klar geworden, dass das hier ganz automatisch ein Smartphone-Battle zwischen den verschiedenen Herstellern werden wird. Auch dieses Feature gehört dazu, da es meines Wissens nur bei Apple von Haus aus mitkommt. Für Android gibt es dafür immerhin die App Motion Stills.

Bei aktivierter Live Funktion wird innerhalb von 1,5 Sekunden vor und nach der Auslösung eine Bildserie aufgenommen.

Was erst mal nach reiner Speicherplatzverschwendung klingt, kann in schwierigen Situationen schon mal die Rettung sein: Du kannst das beste Foto aus der Bildserie heraussuchen, was besonders bei Gruppenaufnahmen und Porträts ideal ist. Auch ein verwackeltes oder nicht ideal belichtetes Einzelbild muss nicht für den Papierkorb sein, wenn vielleicht eine bessere Variante in der Serie dabei ist. Deshalb lasse ich diese Funktion inzwischen dauerhaft an.

Noch ein Vorteil von Live Fotos ist es, dass du aus den Einzelbildern bewegte GIFs machen kannst und die Bilder können auch zu einer Langzeitbelichtung überblendet werden. Dazu empfehle ich aber definitiv ein Stativ.

Bessere Software: Die App Lightroom CC

Viele der Tipps kannst du vielleicht schon nativ mit der Software des Herstellers umsetzen. Ich dir trotzdem wärmstens die App Lightroom CC (App Store, Google Play). Diese ist kostenlos und bietet sehr gute Features für das Fotografieren mit dem Smartphone.

Die App lässt sich in drei Bereiche aufteilen: Die Kamera, Bildverwaltung und Bildnachbearbeitung. Die letzten beiden sind fast identisch mit Nachbearbeitungstechniken am Computer, daher lasse ich das hier mal aus. Bei Adobe gibt es ausführliche Lightroom CC Tutorials zur Bedienung der App.

Die wichtigsten Funktionen für die Kamera

Raster & Wasserwaage

Einstellungen für das Raster in der Adobe Lightroom CC App Hier kannst du mehrere Rastertypen einstellen. Ich empfehle das Drittel-Raster ist da am gebräuchlichsten: Indem du das Hauptmotiv an einer der Kreuzungspunkte der digitalen Linien im Display positionierst, statt genau in der Mitte, sorgst du für einen interessanteren Bildaufbau.
Mehr zum Thema Drittel-Regel

Manueller Fokus

Mit einem Schieberegler kannst du manuell den Fokusbereich setzen. Das ist präziser als das übliche antippen. Durch die grüne Kantenanhebung siehst du genau, wie dein Schärfebereich aussieht. Außerdem verändert sich der Fokus nicht laufend du den Fokus, was vor allem im Makrobereich nützlich ist.

Lichterbeschneidung

Anzeige der Beschneidung in den Lichtern Sobald die Funktion aktiv ist, werden sehr helle Flächen mit schwarzen, schrägen Balken dargestellt. Diese Bereiche sind, in der aktuellen Lichtsituation, reines Weiß – sie enthalten also keinerlei Bildinformation mehr. Diese Flächen solltest du so klein wie möglich halten.

Belichtungssperre

Belichtungssperre Symbol Mit dem kleinen Schloss rechts kannst du dem Telefon sagen, dass es die Belichtung so wie sie gerade ist lassen soll. Das kann bei komplexen Lichtsituationen praktisch sein (z. B. Gegenlicht), da du dort eher weniger willst, dass die Kamera die Belichtung automatisch einstellt.

Kamera-Parameter

Weißabgleich Einstellung Die Smartphone-Kamera soll einfach und intuitiv zu bedienen sein. Das ist gut so, viele haben so erst zum Thema Fotografie gefunden. Viele Parameter überfordern den Nutzer schnell. Wer sich aber etwas auskennt, kann damit leben. Die App gibt dir Zugriff auf alle wesentlichen Parameter wie Weißabgleich, ISO, Blende, Belichtungszeit und Belichtungskorrektur.

RAW Format

RAW Format Einstellung Ganz oben kannst du das Dateiformat einstellen. Die vielen Vorteile von RAW kann ich hier nicht aufzählen, aber ich habe mir vorgenommen irgendwann™ einen Artikel darüber zu schreiben.

Wichtig ist nur, dass dein Gerät das Datenformat auch supported. Bei Apple können es alle Telefone ab iPhone SE, bei Android sollten es auch alle aktuellen Modelle können. Bevor du dich jetzt lange durch Datenblätter suchst: Solange du die Option in der App siehst, kann es dein Smartphone :)

Bildqualität

Falls es die Einstellungen zulassen, solltest du natürlich im Betriebssystem immer die größtmögliche Auflösung einstellen.

Wichtig ist, dass du deine Linse sauber hältst. Gerade weil du dein Smartphone oft in den Händen hältst, kann Schmutz und Fett die Bildqualität verringern. Nicht alles wirst du sofort auf deinem Bild sehen, aber mit der Zeit werden die Bilder immer matschiger. Auf dem Smartphone-Bildschirm (gerade draußen) sieht es oft prima aus, aber zu Hause am PC sehe ich dann die Bescherung. Also lieber vor dem Fotografieren noch mal sauber machen, am besten mit einem Mikrofasertuch.

Schräg einfallendes Licht wird sich bei kaputtes Glas oder bei Fettflecken auf der Linse negativ auf die Bildqualität auswirken.

/mit-dem-smartphone-fotografieren/glas-kaputt

Grundsätzlich kannst du auch mit einem kaputten Glas fotografieren: Mit dieser Kamera konnte ich noch lange ganz normale Bilder machen, solange ich kein schräg einfallendes Licht hatte. Dann sahen die Bilder aus, als hätte jemand Vaseline vor die Linse geschmiert – viel Streulicht und alles hat schwammige Konturen.

Bilder nachbearbeiten

Natürlich profitieren auch Smartphone Bilder von einer Nachbearbeitung. Auch wenn es dafür verschiedene Apps gibt, die allesamt gar nicht übel sind – Nachbearbeitung am Computer ist mir lieber. Dort sehe ich auf einem großen Display jede Unschönheit und kann präzise arbeiten.

Ein paar Artikel über Nachbearbeitung gibt es hier sogar schon.

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