Das Wichtigste in Kürze

Handy- und Kompaktkameras bilden fast alles was du fotografierst durchgehend scharf ab. Ziemlich cool, wenn du ein Preisetikett im Supermarkt fotografierst. Leider unspektakulär, wenn du wirklich ansprechende Bilder machen willst.

Spiegelreflexkameras sind anders aufgebaut. Bei denen ist, abhängig von der Blende und dem Fokus, nur ein bestimmter Bereich des Bildes scharf. Diesen scharfen Bereich nennt man „Tiefenschärfe“, die unscharfen Bereiche sind das Bokeh.

Begriffe

  • Ein kleiner Wert vergrößert die Blendenöffnung.
  • Ein großer Wert verkleinert die Blendenöffnung.
  • Aufblenden = Blendenöffnung vergrößert sich (kleiner Blendenwert)
  • Abblenden = Blendenöffnung verkleinert sich (größerer Blendenwert)

Kamera einstellen

Modusrad einer Kamera Der Modus A (Blendenpriorität) eignet sich sehr gut zum Testen: Du kannst über das Drehrad die Blende frei einstellen, die anderen Werte (ISO und Belichtungszeit) wird die Kamera automatisch einstellen.

Der Blendenwert beschreibt die Größe der Lichtöffnung. Als Bauteil gesehen ähnelt die Blende nämlich der Iris in deinem Auge. Eine große Öffnung lässt mehr Licht hinein, eine kleine Öffnung weniger, dafür wird alles etwas schärfer.
Deshalb kneifst du auch die Augen zu, wenn die Schrift zu klein ist.

Na, liest du das mit zugekniffenen Augen? :-)

Zahlen

Welche Blendenwerte (Einheit f) du einstellen kannst, hängt von deinem Objektiv ab. Die übliche Skala reicht von 1.4 bis 45. Werte dazwischen (z. B. 2.8, 5.6, …) sind Halbe und Drittel.
Endlos wäre jetzt die Aufzählung, also schnapp dir einfach deine Kamera und scroll mit dem Drehrad durch dann weißt du, was dein Objektiv kann! Mach ein paar Testbilder, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie die Bilder bei welcher Blende aussehen.

Einflussfaktoren

Entfernung / Größenrelation

Der Bereich, in dem etwas scharf ist hängt neben dem Fokus auch von der Entfernung zwischen Kamera und Hintergrund (also alles was hinter dem Objekt ist) ab. Ist die Kamera nah am Objekt und der Hintergrund weit weg, dann bekommst du den Hintergrund nur mit einer kleinen Blende scharf, weil die Relation zwischen Objekt und Hintergrund sehr groß ist.

Solange hier kein Objekt im Vordergrund ist, spielt es kaum eine Rolle, mit welcher Blende du fotografierst. (Wobei du dann die förderliche Blende beachten solltest)

Der Fokus wurde auf die Flasche wenige Zentimeter vor der Linse gesetzt. Der Hintergrund ist meterweit entfernt und verschwimmt daher kurz nach der Flasche.

Vergrößerst du die Entfernung zwischen Kamera und Objekt, dann gleichen sich die Relationen an und du brauchst keine kleine Blende mehr, um beides scharf zu bekommen. Wenn der Bereich hinter dem fokussierten Objekt durchgehend scharf ist, also bis in die Unendlichkeit (und noch viel weiter!), dann ist das die „Hyperfokale Distanz“.

Bei extremen Größenrelationen ist eine durchgehende Schärfe einfach nicht möglich. Besser sind Einzelbilder mit unterschiedlichen Fokussen, die du dann in der Nachbearbeitung zusammen überblendest. Die Technik heißt Focus Stacking.

Brennweite

Wesentlich schneller kommst du an viel Bokeh (also abgegrenzte Unschärfe), wenn du eine hohe Brennweite benutzt. Brennweiten ab 100 mm (natürlich in Verbindung mit einer offenen Blende) sind da ideal.

Bei Porträts solltest du allerdings aufpassen, denn je höher die Brennweite, desto mehr wird das Gesicht zusammengestaucht. Das muss nicht schlimm aussehen, nur eben anders. Dan Vojtech hat das in seinem Blog perfekt erklärt. Fazit: Die natürliche Brennweite für Gesichter liegt um die 80 mm.

Gestaltung

„Sonne lacht, Blende 8!“ ist ein Spruch, der dir in jeder Fotoschule an den Kopf geknallt wird.

Wieso eigentlich? Der Spruch geht davon aus, dass du draußen fotografierst. In der Regel willst du dann von hinten bis vorn alles scharf haben – und das gelingt meist mit Blende 8. Solange du auf Distanzen im Meterbereich fokussierst.

Die Blende bei viel Licht …

Willst du nur einen Moment dokumentieren (z. B. Unfallbilder), dann ist Blende 8 und höher tatsächlich sinnvoll. Damit sollte dein Bild von vorn bis hinten mit allen Details scharf werden.

Künstlerisch wird es, wenn du ein Objekt freistellst, das Wichtige vom Unwichtigen trennst. So ähnlich wie Mülltrennung. Nur mehr wie ein Künstler. Du weißt schon. Oft höre ich auch den Begriff “Hintergrund unscharf machen (Hauptmotiv soll scharf bleiben).

Möchtest du (mit offener Blende) eine Langzeitbelichtung am Tag machen? Dann schraub einen Graufilter vor das Objektiv. Ähnlich wie ein Schweißerglas nimmt er viel Licht weg und du kannst länger belichten, ohne dass das Bild ausbrennt.

… und bei wenig Licht

Kannst du nicht länger belichten, die ISO erhöhen oder mehr Licht in die Szene bringen, dann mach die Blende weit auf! Gerade bei Dunkelheit haben geringe Änderungen an der Blende starke Auswirkungen auf die Belichtungszeit.

Achtung: Bei Offenblende (kleinstmöglicher Blendenwert) können abhängig von deinem Objektiv verstärkt Chromatische Abberationen und Randunschärfen auftreten.

Eine weitere Gestaltungsmöglichkeit ist es einen hohen Blendenwert zu nehmen, damit helle Lichter einen Sterneffekt bekommen. Das kann ganz nett aussehen!

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Durch die geschlossene Blende bekommen die Straßenlampen einen hübschen Sterneffekt.

Welche Blende soll ich nehmen?

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Die Abblendtaste. Gedrückt halten und mit Scrollrad die Blenden durchschalten.

Wenn dein Motiv dir Zeit lässt und du unsicher bist, dann stell deine Kamera auf festen Untergrund (z. B. ein Stativ) und probier die Blenden durch. Die höherklassigen Kameras haben eine Abblendtaste (Knopf zur Live-Vorschau der Blende), das spart Testbilder.

Übrigens: Verfügt deine Kamera nicht über einen elektronischen Sucher, dann wird es im Sucher etwas dunkler aussehen, wenn du die Abblendtaste drückst. Das hat zwar keinen Einfluss auf das fertige Bild, aber nachts ist die Vorschau dann für die Katz.

Bokeh

Nicht Bouquet. Definiert Qualität der Unschärfe: Ist sie hart oder weich abgegrenzt, ist sie ruhig oder eher unruhig? Bezeichnet aber auch einfach die Bildbereiche, wo die Unschärfe zu sehen ist.

Entstehung

Der Abstand zwischen der Blende im Objektiv und dem Kamerasensor ist der entscheidende Faktor. Deshalb gibt es bei Handy- und Kompaktkameras einfach viel zu wenig oder gar keine Unschärfe (vielleicht wenn du das Gerät super nah an ein winziges Objekt heranhältst (siehe Größenrelation im nächsten Abschnitt)).

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Bokeh in der Natur, wenn die Sonne durch das Laubwerk scheint.

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Kreisförmiges Bokeh (Unschärferinge) eines Spiegellinsenobjektives.

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Ruhiges (weiches) Bokeh im vorderen und hinterem Bereich der Unschärfe.

Wie bekomme ich Bokeh?

  1. Brennweite – Je höher die Brennweite, desto besser. Denn es geht um …
  2. Größenrelation – Ein weit entferntes Flugzeug nah rangeholt wird von vorne bis hinten scharf sein, der Hintergrund dann ebenso. Die Größenrelation ist hier im Kilometerbereich, unterscheidet sich also kaum.
    Stehst du relativ nahe an einem Menschen, holst ihn mit hoher Brennweite ran, dann wird der Hintergrund viel schneller unscharf, denn die Größenrelation geht vom Meter- bis zum Kilometerbereich. In der Makrofotografie (bei kleinen Objekten) kann der Bereich, indem etwas Scharf ist, bei hoher Brennweite sogar nur im Millimeterbereich liegen!

  3. Aufblenden – Eine offene Blende (kleiner Blendenwert) hilft mehr Unschärfe zu bekommen. Wenn die anderen Faktoren ideal sind, dann grenzt du mit einem hohen Blendenwert das Bokeh etwas stärker ab.

  4. Objektivtyp – Lichtstarke Objektive Festbrennweiten können die Blende besonders weit aufmachen. Zusammen mit einer hohen Brennweite unschlagbar. Die Bauweise des Objektives prägt die Charakteristik des Bokehs. Mehr Lamellen in der Blende sorgen für runderes Bokeh und umgekehrt. Spiegellinsenobjektive erzeugen Ringe im Bokeh.

  5. In der Nachbearbeitung – Mit Photoshop kannst du auch künstliches Bokeh einfügen. Wenn es gut gemacht ist, wird kaum jemand den Unterschied merken. Diese Art der Nachbearbeitung ist dafür sehr zeitaufwändig.

Bokeh selbst basteln

Durch das Zuschneiden von Pappe kannst du die Form des Bokehs sogar selbst beeinflussen! Einfach eine beliebige Form in ein Stück lichtundurchlässige Pappe schneiden und gut am Objektiv befestigen!

Bonus: Die Kinder sind endlich auch mal beschäftigt! :-)
Keine Kinder? Pech gehabt, musst du selber basteln :-(

Förderliche Blende

Je weiter du abblendest, desto besser wird die Schärfe im Bild. Theoretisch. Ab einer bestimmten Blende kippt das ganze und das Bild wird wieder unscharf. Dieser Wert ist bei jedem Objektiv ein anderer, am besten du stellst die Kamera auf ein Stativ und fotografierst ein komplexes Motiv mit allen Blenden, die das Objektiv kann. Hinterher kannst du auswerten, welches Bild am schärfsten ist.

Das ist dann die förderliche (also schärfste) Blende für dieses Objektiv. Bei anderen Objektiven müsstest du das ganze wiederholen.

Limitationen

Ganz frei bist du nicht, denn die Brennweite limitiert, welche Blendenwerte du einstellen kannst (Ausnahme Festbrennweiten). Mehr eingestellte Brennweite heißt weniger aufblenden. Beim kleinsten Brennweitenwert hast du den vollen Blendenumfang zur Verfügung.

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