Das Wichtigste in Kürze

Zoomen heißt, dass man einen Bildausschnitt kleiner oder größer einstellt. Auch das wird mit der Brennweite gemacht. Allerdings verändert sich zeitgleich die Raumgeometrie auf dem Bild.

Hier siehst du gut, wie sich der „Raum“ verändert, je mehr Brennweite eingestellt ist. Der Turm im Hintergrund fängt scheinbar an nach vorn zu wandern, weil alles im Raum weiter zusammengestaucht (oder komprimiert) wird.
Wenn du auf die Proportionen schaust, dann siehst du dass mit steigender Brennweite die Fluchtpunkte nach außen wandern. Die Gebäude sehen zunehmen flachgedrückt aus.

Die Gruppen

Es macht kaum einen sichtbaren Unterschied, wenn du die Brennweite um wenige Millimeter veränderst. Große Unterschiede entstehen, wenn du zwischen den Gruppen springst:

Brennweite Bereiche

  • Weitwinkel = <35 mm – erfasst viel Raum und bringt Bildtiefe.
  • Tele = >80 mm – stauchen den Raum zusammen und verstärken das Bokeh.
  • Normalobjektive = um die 50 mmbilden den Raum ungefähr so ab, wie du ihn sehen würdest.

mit einem zugedeckten Auge, weil zwei Augen sind der Kamera einfach überlegen!

Die üblichen Brennweiten gehen ca. von 16 mm bis 500 mm, alles andere sind Spezialfälle, wovon einige in interessanten Preisklassen wohnen. Die Länge gibt übrigens an, wie weit die Entfernung zwischen Sensor und Objektiv-Mittelpunkt ist.

Flexible vs. feste Brennweite

Zoomobjektive

… sind mehrere dieser Gruppen in einem Objektiv – zum Beispiel Normal- und Tele. Das hat den Vorteil, dass man das Objektiv nicht wechseln muss, wenn man die Eigenschaften dieser Gruppen benötigt. Bonus: Man geht weniger zu Fuß. Moment, kein Bonus. Beweg dich mehr!

Festbrennweiten

… haben eine absolute Brennweite. Hier gibt’s nichts zum Drehen. Diese haben weniger Linsen drin, können daher lichtstärker (Blendenöffnung) sein und liefern normalerweise eine bessere Bildqualität als die Zooms ab.

Wann nehme ich welche Brennweite?

„Ich hörte – Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden – ?“
Absolut! Zum Glück sind das nur Vorschläge, keine Regeln! Du darfst sie trotzdem brechen.

Weitwinkel

  • Bei tiefen Landschaften, durch die das Auge geführt werden soll (Vordergrund und Linien im Bild helfen).
  • Wenn das Motiv größer erscheinen soll, als es in Wirklichkeit ist, oder um die Größen­ver­hält­nisse bisschen absurder darzu­stellen.
  • Bei Actionfotografie, in denen Personen im Kon­text mit ihrer Umgebung stehen (da diese bei Weitwinkel nicht unscharf wird)
  • In Innenräumen, wo die Normal­brennweite so gut wie immer versagt, weil niemand von uns in einem Schloss wohnt. Niemand!

Tele

  • Überall da, wo du nicht gut rankommst oder willst
    (das Lieblingsobjektiv aller Stalker!)
  • Bei Schwerpunkt auf Formen und Reihung in der Bildgestaltung
  • Porträts mit viel Frei­stellung und Bokeh
  • Actionfotografie mit Mit­ziehern

Normal

  • Porträtfotografie
  • Makrofotografie
  • reine Dokumentation

Die richtige Brennweite für Gesichter

Das Problem an Porträts und Brennweite ist, dass es nie 1:1 perfekt aussehen wird. Ein Weitwinkel verzerrt die Proportionen und ein Teleobjektiv staucht sie zusammen. Je nach Gesichtstyp kann das besser oder schlechter aussehen, das musst du ausprobieren. Durchgesetzt hat sich ungefähr der Bereich zwischen 50 mm und 80 mm, wo das Gesicht natürlich und vorteilhaft aussieht.

Im Internet gibt es dazu folgendes Gif, was es besser erklärt, als ich es mit Text jemals könnte:

Je höher die Brennweite, desto weiter weg muss der Fotograf natürlich vom Gesicht entfernt sein, um es noch formatfüllend fotografieren zu können:

Brennweite Distanz Fotograf zum Gesicht (ca.)
24 mm 0,6 m
200 mm 5,2 m

Fotografierst du eine stehende Person (ich lege mal eine Körpergröße von 180 cm fest), wird dein Fußweg noch länger:

Brennweite Distanz Fotograf zur Person (ca.)
24 mm 2,3 m
200 mm 19,2 m

Diese Werte kannst du selbst mit einem Brennweitenrechner ausrechnen. (Ich verlinke bewusst keinen, es gibt so viele – einfach mal bei Google eintippen.) Diese Brennweitenrechner sind eine nette Spielerei, haben aber wirklich einen praktischen Nutzen: Hast du z. B. die Aufgabe in einem Raum von sagen wir mal 5 Meter Kantenlänge ein Fotoshooting mit Menschen vor, dann brauchst du praktisch kein Objektiv einpacken, das mehr als 50 mm Brennweite hat.

Bildbeispiele

Wenn’s noch länger werden soll

Telekonverter sind Stücke, die zwischen Kamera und Objektiv eingesetzt werden und die Brennweite um Factor-X verlängern. Dafür ist die Kombination dann etwas lichtschwächer und qualitativ auch nicht ideal, da weiteres Glas dazukommt.

Hast du eine Kamera mit APS-C Sensor, dann hat diese einen Crop-Faktor (~1.6). Das heißt ein 200 mm Tele mit einer Kamera, die einen APS-C Sensor hat, bekommt eine Brennweite von 320 mm! Das ist ziemlich cool, wenn man viel mit Teleobjektiven macht. Umgekehrt geht bei Weitwinkel-Objektiven leider auch einiges verloren, 16 mm werden dann zum Beispiel zu 25 mm. :-(

Theoretisches Beispiel

Der Aufbau

Die Szene zeigt insgesamt 40 Würfel mit einer Kantenlänge von 30 cm und einer Höhe von einem Meter. Verlängert man die Brennweite, fangen die Proportionen an, sich zu verzerren. Die Entfernung wird zusammengestaucht, obwohl sich an der Szene nichts verändert. Durch die Zentralperspektive gibt es nur einen Fluchtpunkt. Dieser wandert nicht, er bleibt auf der Horizontlinie. Bei einer anderen Perspektive mit zwei Fluchtpunkten würden diese weiter nach außen wandern.

Die Folgen von zunehmender Brennweite

  • Objekte werden größer, der Sichtbereich wird kleiner
  • Proportionen verändern sich: Das fällt vor allem bei den Würfeln den Schatten auf.
  • Die Partikel in der Luft (Staub und Ozon) werden auf die Entfernung mehr zusammengeschoben, dadurch wirken Bilder bei längeren Brennweiten flauer und kontrastloser.
  • Je nach Fokuspunkt eine stärkere Abgrenzung des Bokeh (Unschärfe). Im Bildbeispiel habe ich diesen Punkt bewusst weggelassen, alles ist durchgängig scharf.

Artikel zum Weiterlesen